Die Krux mit der Zeit

7. Juli 2017

Tipps für ein besseres Zeitmanagement mit einem minimalistischen Lebensstil

Gabriele hat mir vor ein paar Wochen eine sehr nette Mail geschickt, und mich gefragt, ob ich meine Tipps fürs Zeitmanagement nicht mal aufschreiben möchte. Nach langem Nachdenken habe ich mich dazu entschieden, nicht über Tipps für ein besseres Zeitmanagement für (Vollzeit-)Berufstätige zu schreiben. Stattdessen möchte ich der Frage nachgehen, warum Zeitmanagement überhaupt notwendig ist.

Ein Tag hat nun mal nur 24 Stunden. An dieser Zahl ändert sich nichts. Im Lauf der Zeit haben wir aber begonnen, immer mehr in diesen 24 Stunden unterbringen und erledigen zu wollen. So kam es dann auch irgendwann dazu, dass heute mittlerweile viele Leute Zeit als das schönste Geschenk und gleichzeitig als das knappste Gut betrachten.

Auf der einen Seite steht das „viel tun wollen“ - dafür hat der Tag meist nicht genug Stunden. Auf der anderen Seite steht der Wunsch, sich Zeit freizuschaufeln. Leistung wird nur noch über die bezahlte Arbeitsleistung definiert, Leistungen, die Menschen unentgeltlich erbringen, sei es Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Pflege wird wenig bis gar nicht gewürdigt. Im Gegenteil gibt es seit vielen Jahren einen anhaltenden Trend, diese „natürlichen“ Tätigkeiten möglichst auf andere Personen auszulagern. Und schwuppsdiwupps hat man einen neuen Wirtschaftszweig geschaffen und die Wirtschaft brummt ein bisschen länger.

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern zu wenig Zeit, die wir nutzen - Zitat Lucius Annaeus Seneca

Gleichzeitig wird ein Lebensstil, der alles unter einen Hut bringen soll, gerade bei Frauen überproportional gefördert. Der damit einhergehende unvermeidliche Stress wird dabei leider noch oft als „cool“, „notwendig“ oder „unvermeidlich“ dargestellt. Der Coffee-to-go ist für mich das absolute Sinnbild einer Gesellschaft, in der die Menschen Leistung nur noch über das Stresslevel definieren.

Möglichkeiten dem Hamsterrad zu entkommen werden nicht, oder nur als Randerscheinung in den Mainstream Medien präsentiert und im gleichen Atemzug meist auch gleich wieder in den Boden gestampft. Kein Wunder also, dass der ausgetretene Lebensweg als alternativlos erscheint, wenn keinerlei Alternativen präsentiert werden, oder man auf diese nur nach langer Suche oder eher zufällig stößt.

Wieweit reicht aber die Freiheit des Einzelnen, an seinen Lebensumständen etwas zu ändern. Und damit meine ich nicht lediglich die Wahl des Berufes. Inwieweit ist man dem System verpflichtet und ist zu einem unhaltbaren Konsumniveau angehalten, um das Werk am laufen zu halten?

Darf man seine Arbeitszeit reduzieren um dadurch mehr Zeit für sich und die Familie zu haben, oder gar einfach mehr Freizeit? Ist ein Mehr an freier Zeit moralisch verwerflich in einem System, das den Arbeitsfetisch propagiert oder ist dieses arbeitsfreie Zeit nicht auch gleichzeitig eine Vorsorge gegen Überarbeitung, Burnout oder sonstige psycho(somatischen) Folgeerkrankungen, die im Zusammenhang mit Stress stehen?

Die Vermutung liegt nahe, dass nur ein besseres Zeitmanagement (also mehr in den vorhandenen 24 Stunden unterzubringen) für mehr Wohlbefinden notwendig ist. Aber wie sollen zukünftige Generationen mit dem stetig steigenden Druck fertig werden, wenn sich innerhalb einer Lebensspanne schon so viel getan hat, dass wir kaum hinterherkommen?

Die Zeit vergeht heute nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei - Zitat George Orwell

Ich betrachte ein "besseres Zeitmanagement" gerne als einen Aspekt einer minimalistischen Lebensweise. Damit meine ich nicht, seinen Besitz von heute auf morgen auf hundert Dinge zu reduzieren, sondern einen minimalistischen Konsum. Heutzutage kann man sich "mehr Zeit" oftmals nur dann leisten, wenn man weniger konsumiert, seinen Platzbedarf reduziert, vielleicht sogar um überteuerte Ballungszentren einen Bogen macht, oder wenn man schlicht und einfach seine Wünsche wieder an seine Bedürfnisse anspasst.

Ein minimalistischer Konsum würde nicht nur unserem Planeten die dringend benötigte Verschnaufpause geben, sondern auch uns selbst. Anstatt immer nach mehr zu streben, könnten wir unsere Richtung ändern, auf Entschleunigung, bewussten Genuss und innere Ruhe setzen.

Mehr Zeit, Minimalismus und Nachhaltigkeit hängen für mich ganz eng zusammen. Ohne etwas an meinem Konsumverhalten zu ändern, werde ich weder die Möglichkeit haben, etwas an meinem Arbeitspensum zu ändern, noch einen nachhaltigen Lebensstil pflegen können.

Mehr Zeit - Warum ein gutes Zeitmanagement nicht alles ist

Wie steht ihr zu dem Thema? Fühlt ihr euch gestresst, ausgewogen oder unterfordert in eurem Alltag? Ist Zeitmanagement wirklich so wichtig? Wie löst ihr das Problem, wenn ihr zu wenig Zeit habt?

Dieser Beitrag ist verlinkt zu Achtsam durch den Tag, EiNaB und A New Life.

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