Kleines Faserlexikon - Tierische Fasern

29. Oktober 2017

Nützliches Wissen über Tierische Fasern - Wolle fürs Stricken und Häkeln - Alpaka, Kaschmir, Mohair, Yak, Schurwolle

Im Folgenden Beitrag habe ich für euch ein paar Fakten zum Thema "Tierische Fasern" recherchiert: welche Arten von Wolle es am häufigsten gibt, von welchen Tieren diese stammt sowie welche Auswirkungen die Tierhaltung haben kann.

Tierhaare


Bei Tieren findet die Faserbildung in den Haarfolikeln statt und kommt entweder als Fell oder Behaarung vor. Eine Ausnahme bilden dabei die Seidenfasern, bei der es sich um den Kokon verpuppter Seidenraupen handelt. Grundsätzlich gilt: die Herkunft des wollgebenden Tieres sowie die Umwelteinflüsse wie Witterung etc., denen es angepasst ist, spiegeln sich auch in den Eigenschaften der verarbeiteten Wolle wider.

  • Schafwolle / Schurwolle

    Als Schafwolle bezeichnet man üblicherweise die Wolle vom Hausschaf. Der Begriff Schurwolle oder Reine Schurwolle bezeichnet dabei die neue, unmittelbar von einem lebenden Tier stammende Wolle.
    Schafwolle ist ein nachwachsender Rohstoff, hat gute wärmeregulierende Eigenschaften, stößt an der Oberfläche Wasser ab, kann 35% ihres Trockengewichts an Wasser aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen und leitet Feuchtigkeit auch deutlich besser ab als zum Beispiel Baumwolle. Zudem ist die schmutzabweisend, knittert kaum und nimmt durch ihre Selbstreinigungsfunktion deutlich weniger Gerüche auf als Kunstfaser. Wolle ist zudem schwer entflammbar. Allerdings neigt Wolle zu Pilling ("Fusseln"), dem man praktisch nicht entgegenwirken kann und sie kann kratzig auf der Haut sein.

  • Alpaka

    Diese südamerikanische Kamelrasse ist in den Anden beheimatet. Die Alpakafaser ist fünfmal wärmer als Schafwolle. Das Alpakahaar ist innen hohl (anders als bei Schafwolle oder Kaschmir) - dadurch erhält es die Fähigkeit Wärme auszugleichen. Alpakawolle enthält fast kein Lanolin, ist dadurch auch für Wollallergiker geeignet.

    Es gibt zwei Alpaka-Rassen: Huacaya und Suri. Die Huacayas haben leicht gekräuselte Haare, das Deckhaar der Suris hingegen hängt mehr oder weniger gerade hinunter. Da sie nur alle 2 Jahre geschoren werden können, ist das Angebot an Alpakawolle begrenzt. Die Nachfrage steigt seit Jahren aber beständig.

    Alpakas werden vermehrt auch hierzulande gehalten und viele sehen in Alpakawolle eine ökologischere Alternative zu Kaschmirwolle (siehe Link). Mit Alpakawolle kann man übrigens auch Seife machen, die ich persönlich nur empfehlen kann. 
Alpakas - Wolllieferanten für weiche und natürliche Alpakawolle

  • Merino

    Die Merinowolle stammt vom Merino-Schaf, einer Feinwoll-Schafrasse, die ursprünglich aus Nordafrika stammt, mittlerweile aber vor allem in Australien und Neuseeland gehalten und gezüchtet wird. Merinowolle hat die gleichen Eigenschaften wie "normale" Wolle, ist jedoch meist deutlich anschmiegsamer und feiner. Kleidungsstücke aus Merino fühlen sich besonders weich auf der Haut an, durch die Feinheit der Fasern sind sie aber nicht besonders robust.

    Merino ist wegen dem oft praktizierten Mulesing bei Tierschützern umstritten. Dabei wird die Haut rund um den Schwanz ohne Schmerzmittel entfernt, um den Befall mit Fliegenmaden (Mylasis) zu verhindern. Tierschützer sehen darin eine inhumane Behandlungsmethode, für die es Alternativen gäbe. Die Produzenten schieben einen verpflichtenden Verzicht auf diese Methode jedoch Jahr für Jahr hinaus. Die New Zealand Merino Company hat mit Zque ein freiwilliges Qualitätssiegel eingeführt, dass Mulesing-freie Merinowolle kennzeichnet.
  • Angora

    Die Haare des Angorakaninchens sind feiner als Schafswolle und dadurch besonders weich. Das Merkmal der Langhaarigkeit ist natürlich gewollt und wird weiter überzüchtet. Die Tiere müssen dadurch regelmäßig von ihrer Haarpracht befreit werden, da die Haare sonst immer weiter wachsen würden.

    In China, wo es mit dem Tierschutz nicht allzu weit her ist, wird die meiste Angorawolle produziert. Die Tiere werden dort oft nur als Rohstoff für ein hochpreisiges Produkt und nicht als Lebewesen wahrgenommen. So werden die Kaninchen in China in engen Käfigen gehalten und zur Schur (oder zum Rupfen) festgezurrt, weil sie sonst aufgrund ihres Fluchtreflexes flüchten würden. Daher ist die Prozedur für sie ein Martyrium und man sollte sich überlegen, ob man Kleidung mit Angora-Anteil, vor allem aus dem unteren Preissegment, kaufen möchte.
  • Mohair

    Diese Wolle wird von der Angoraziege gewonnen, die langes, seidiges und lockig herabhängendes Haar besitzt. Die nässeempfindlichen Ziegen werden vor allem in Südamerika und Kalifornien gezüchtet. Eine Angoraziege kann zweimal im Jahr geschoren werden und gibt im Schnitt etwa 2,5 kg Wolle pro Jahr.

    Kritisiert wird vor allem die Enthornung der Tiere, die oft ohne Betäubung durgeführt wird.
  • Kaschmir / Cashmere

    Auch diese Wolle stammt von einer Ziege. Kaschmirziegen zeichnen sich durch ihre lange, dünne Unterwolle aus. Kaschmirwolle ist durch den geringen Faserdurchmesser die feinste Wolle der Welt. Da die einzelnen Tiere nur maximal 250 g dieser feinen Faser pro Jahr "geben" ist sie auch die teuerste Faser der Welt.

    Um an die begehrte Wolle zu kommen, gibt es zwei Möglichkeit: Schur oder Auskämmen. Die Schur ist für die Tiere stressiger und beraubt sie ihrer natürlichen Wärmedecke. Das Auskämmen dauert aber länger, ist anstrengender und dadurch auch teurer (und unwirtschaftlicher).

    Durch die steigende Nachfrage der letzten Jahre gibt es, ähnlich wie bei Bio-Baumwolle, ein größeres Angebot an der Wolle, als die Bestände in China und der Mongolei tasächlich hergeben würden. Der Verdacht von Etikettenschwindel liegt also nahe. Als Resultat der größer werdenden und länger grasenden Herden, kommt es zu Wasserknappheit und einer Versteppung der Weideflächen. Bodenerosien ist die Folge dieser Übernutzung. 
Yak - Rinderrasse - Wolllieferant

  • Yakwolle

    Die Wolle dieser domestizierten und in Asien heimischen Rinderrasse wird durch Auskämmen des Unterhaars gewonnen. Sie wärmt auch noch bei Temperaturen unter Null, nimmt, wie andere Wollsorten auch, sehr viel Feuchtigkeit auf, ohne sich feucht anzufühlen und ist robust und leicht zugleich. Aufgrund des aufwändigen Scher- und Kämmprozesses ist auch die Yakwolle ein teures Luxusgut und wird meist nur anderen Fasern beigemischt. 
  • Seide

    Seidenraupen werden schon seit 5000 v. Chr. in fernöstlichen Regionen gezüchtet. Die Raupen des Seidenspinners produzieren einen dünnen Faden, aus dem sie sich ihren Kokon zur Verpuppung bauen. Die Raupen des Maulbeerspinners ernähren vor ihrer Verpuppung von den Blättern des Maulbeerbaumes, daher der Name.

    Um das Garn zu gewinnen werden die Puppen ein paar Tage nach Fertigstellung des Kokons mit heißem Wasser getötet. Danach wird der Spinnfaden vorsichtig abgewickelt und weiter verarbeitet.
  • Kamelhaar

    Von der Faserdicke ist Kamelhaar der Kaschmirwolle am ähnlichsten. Durch die an ihrern Lebensraum bestens angepassten Träger ist die Wolle sehr temperaturregulierend - sie wärmt bei Kälte und kühlt bei Wärme, zudem soll Kamelwolle "unverwüstlich" sein. Da die Tiere im Frühjahr ihr Haarkleid von selbst abwerfen, müssen sie auch nicht geschoren werden. Die Fasern werden einfach aufgelesen, gereinigt und weiterverarbeitet.

Wovon ihr unbedingt die Finger lassen solltet:

Shatoosh (oder Shatush) - wird aus dem Fell des gefährdeten Tschiru (Tibetantilope) gewonnen, die zu den geschützten Arten zählt. Da die Tiere nicht geschoren werden können, müssen sie für die Wolle getötet werden. Die Produktion, der Erwerb und der Verkauf von Shatoosh ist zwar illegal, aber die Wolle wird verbotenerweise trotzdem "produziert" solange es eine Nachfrage dafür gibt.

Vicuna - alleine wegen der Preises (stolze 2.400 Euro pro Pullover) ist es eher unwahrscheinlich, dass ihr mit der teuersten Wolle der Welt, die von wild lebenden, und zur Schur in Gatter getriebenen Verwandten des Alpakas in Berührung kommt...

Mehr Infos findet ihr hier: 

Von Angora bis Mohair
Animal Fair Einkaufsführer 
Animals used for Clothing (PETA) 

Verlinkt zu: einfach.besser.nachhaltig.leben, A New Life
Bildqullen: Pixabay

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6 Kommentare

  1. Tolle Serie, gefällt mir sehr gut! Und von diesen Satush hab ich nie was gehört! Es gibt übrigens durchaus Leute, die die Grannenhaare, die in Alpakagarn vorkommen, als kratzig empfinden - eine meiner Mit-Strickerinnen hier in Karlsruhe ist so ein Fall: Lett-Lopi auf blosser Haut ist kein Problem, aber Babyalpaka und Seide juckt sie... Ich denke, was als "kratzig" empfunden wird, ist sehr individuell - am besten eine Maschenprobe stricken und in den Mantelkragen heften mit ein paar Sicherheitsnadeln. Ich selbst bin unempfindlich, ich trage auch Sockenwolle auf blosser Haut. Reines Alpaka ist mir aber zu "lommelig", d.h. zu fliessend mit mit zu wenig Stand/Griff - aehm, wie ist das deutsche Wort? Zu viel Drape, würde ich auf Englisch sagen! Machste auch noch einen Teil zu Kunstfasern? Oder sind die zu "böse" - von wegen GREEN bird?

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    1. Danke!

      Auf Shatoosh bin ich auch erst bei meiner Recherche gestoßen. Die Kratzigkeit ist jedenfalls auch noch ein Thema. Vielleicht mach ich da nich einen extra Teil dazu.
      Also über die Eigenschaften der Verwendet, dem Stand etc.
      Würde den Teil glatt sprengen...

      Ja, Kunstfasern kommen natürlich auch noch. Das Green im Namen ist doppeldeutig und steht in erster Linie wirklich für einen bildlich dargestellten grünen Vogel ;-)
      Wenn man Veganer fragt, was böse ist, kriegt man ja Wolle als Antwort...

      Liebe Grüße, Daniela

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  2. Hallo Daniela!

    Voll interessant, wie viele verschiedene Tierfasern es gibt. Danke für Deine tolle Übersicht, finde ich wirklich SEHR informativ!

    lg
    Maria

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    1. Hallo Maria!
      Ja, sehr. Mich beschäftigt das Thema zunehmend, seit ich da für die Artikelreihe genauer recherchiert habe. Abschließend plane ich da noch den ultimativen Übersichtsartikel ;-)

      LG, Daniela

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  3. Liebe Daniela,
    ich bin auch begeistert über deine übesichtlichen Informationen! Habe mich im Rahmen von ANL zwar ebenfalls schon mit Fasern beschäftigt, aber wusste trotzdem noch längst nicht "alles", z.B. auch nicht, dass Angorawolle zum Teil ein tierisches Martyrium bedeutet oder dass Kaschmirwoll-Ziegenzucht in der Folge zu Bodenerosion führt... Es ist eigentlich Wahnsinn, was man alles bedenken sollte, sobald man IRGENDETWAS konsumiert... und noch größer ist der Wahnsinn, wie wenige irgendetwas BEDENKEN, während sie wahllos konsumieren... Zu meinem eigenen "stofflichen" Beitrag http://rostrose.blogspot.co.at/2016/02/a-new-life-2-uber-stoffliches-und-meine.html bekam ich seinerzeit einen Link meiner Leserin Sara zugeschickt und habe dadurch erfahren, dass es ein Produktionsverfahren gibt, bei dem die Seidenraupen nicht getötet werden müssen - das interessiert dich vielleicht auch: http://www.cocccon.de/about.html
    Ja, und was das Pilling bei Wolle betrifft - das dürfte durch den Guppyfriend-Waschbeutel ganz gut in den Griff zu bekommen sein...

    Danke auch, dass du deinen tollen Beitrag bei ANL verlinken willst - ich nehme an, das machst du erst beim nächsten Linkup ab 15.11.? Das andere ist zwar noch nicht zu Ende, aber es läuft nur noch bis 1.11. - du kannst es aber gern auch hier und dort verlinken, ganz wie du magst!
    Herzliche Rostrosengrüße und eine schöne neue Woche,
    Traude
    https://rostrose.blogspot.co.at/2017/10/island-kreuzfahrt-teil-9-nationalpark.html

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    1. Hallo Rostrose!
      Ich hab den Beitrag heute schon verlinkt, da ich gesehen habe, dass das Linkup-Tool noch geöffnet ist. Wenn du willst, kann ich es aber im nächsten Monat verlinken.

      Also eigentlich wollte ich einfach einen Artikel über die Vorteile von Wolle schreiben :-D Mir war auch nicht klar, wie hochindustriell die Produktionsprozesse da zugehen und muss gestehen, dass ich in dieser Hinsicht sehr blauäugig war. Was mir bei der Recherche unterkam, musste ich dann aber auch irgendwie einarbeiten. Ich konnte es irgendwie nicht mehr mit mir vereinbahren, alle Schattenseiten außen vor zu lassen. Auf die Conclusio und den erhobenen Zeigefinger habe ich dann aber verzichtet, weil ich denke, dass jeder selbst entscheiden muss, wie er damit umgeht. Ich bin da ja auch nicht frei von jeder Schuld.

      Ja, es ist wirklich ein Wahnsinn liebe Traude. Und manchmal kann ich auch verstehen, warum es einfacher ist, sich einfach nicht damit beschäftigen zu wollen. Es wird recht schnell kompliziert und man läuft und ethische und umweltbezogene Minenfelder. Sojaseide sollte ein guter Kompromiss sein, da hier auch Abfallprodukte aus der Tofuerzeugung verwendet werden. Aber leider gibt es keine Handstrickgarne davon und auch die Verwendung in der Textilindustrie ist recht zögerlich.

      Den Guppyfreund muss ich jetzt endlich mal ausprobieren, bislang hat er es noch nicht in die Waschmaschine gescchafft.

      Ich wünsche dir noch eine schöne Woche!

      LG, Daniela

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