Roadtrip nach Montenegro und Kroatien - Teil 1

22. September 2017

Unser Roadtrio nach Montenegro - von Österreich nach Slowenien, Kroatien und über Bosnien nach Zabljak (Montenegro) am Rande des Durmitor Gebirges


Normalerweise bin ich ja überhaupt nicht der Urlaubstyp. Ich will nicht unbedingt raus und etwas Neues erleben und mir fällt daheim auch nicht so schnell die Decke auf den Kopf. Nach 8 Jahren (ACHT Jahre!) Beziehung ohne jemals einmal richtig Urlaub zu machen (den Kurztrip an die Soca zähle ich jetzt bewusst nicht), wollte ich dann aber doch mal etwas Abwechslung haben. Bislang waren wir mit unseren Wanderurlauben auch immer mehr als zufrieden, diesen Sommer sollte es aber tatsächlich mal etwas weiter weg gehen (seit vorigem Jahr bin ich ja wieder mit einem Reisepass augestattet).

Nach etwas Tüfteln, wo es denn nun konkret hingehen sollte, fiel unsere Wahl das überraschend auf Montenegro. Ein Bekannter hat uns mal vom Durmitor Gebirge erzählt, das ist irgendwie hängen geblieben. Da man man sämtlichen Gesprächen über Urlaube und Reisedestinationen Montenegro auch nur ganz, ganz selten (also praktisch nie) hört, stand die Wahl fest.



Wir starteten am Samstag Abend um 22 Uhr von Graz los, passierten erst mal die Grenze zu Slowenien (30 Euro Maut für ein Monatspickerl), nach nur anderhalb Stunden waren wir schon an der Grenze zu Kroatien. In Kroatien gibt es, anders als in Slowenien und Österreich eine kilometerabhängige Maut. D.h. man zieht beim Eingangsposten ein Ticket und beim Abfahren von der Autobahn bezahlt man. Anders als im Rest von Kroatien kann man die Maut auch mit Euros bezahlen.

Sonnenaufgang in Kroatien

Um 6 Uhr morgens waren wir dann im südlichsten Teil von Kroatien (jenseits der bosnischen Küstengrenze). Nach einem Sonnenaufgangs-Frühstück (hört sich definitiv romantischer an, als es tatsächlich war) übernehme ich das Steuer.

früher Vormittag irgendwo an der Küste in der Nähe von Dubrovnik

Obwohl ich in der Nacht immer wieder etwas geschlafen habe, kann ich mich schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr konzentrieren, vergesse immer wieder, ob jetzt 60, 70 oder doch 80 die Geschwindigkeitsbegrenzung ist (dass die Kroaten mir schon fast in den Kofferraum fahren vor lauter Drängeln hilft meinem Gedächtnis auch nicht auf die Sprünge). Nach nur einer Stunde werfe ich also das Handtuch und wir pennen zwei Stunden auf irgendeinem Parkplatz. Halbwegs erholt fährt dann Robert, dank "hochauflösender" Straßenkarte (mein "Dank" gilt Freytag & Berndt), verfahren wir uns wieder. Irgendwann schaffen wir es aber doch über die bosnische Grenze.

Mitten im Niemandsland - im Grenzgebiet zwischen Bosnien und Montenegro

Bosnien & Herzigowina wäre unsere ursprüngliche Destination gewesen. Ein wunderschönes Land mit einer abwechslungsreichen Landschaft und Bergen so weit das Auge reicht. Hätten sie nicht ein ganz massives Problem: Landminen. Nach dem Ende des Bosnienkrieges 1995 ist das Land immer noch vermint. Da nur teilweise bekannt ist, wo die Minen vergraben wurden, ist es immer noch ziemlich gefährlich, abseits der Straßen herumzustreifen. Es gibt zwar Minenkarten und Hinweisschilder (wir haben keine gesehen), doch mit ein bisschen Bauchweh ist man schon unterwegs. (Reise- und Sicherheitshinweise findet ihr hier.)

Mitten im Niemandsland - im Grenzgebiet zwischen Bosnien und Montenegro

Im Grenzgebiet zwischen Bosnien und Montenegro sind wir dann trotzdem ausgestiegen und haben ein paar Fotos von dieser unglaublichen Landschaft gemacht. (Übrigens: es gibt auch noch Kroatien Minengebiete. Mehr dazu findet ihr hier).

Mitten im Niemandsland - im Grenzgebiet zwischen Bosnien und Montenegro

 Ein weiteres "Problem", das uns schon seit Kroatien begleitete ist der Müll. Neben der Straße liegt alles, von Plastikflaschen, Sackerl und sogar eine Matatze hab ich gesehen. Da es in diesen Ländern auch eine ganze Menge an Straßenhunden gibt, sieht man auch immer wieder Tierkadaver auf der Straße liegen.

Landschaft in Zabljak (Montenegro)

Landschaftliche geht Bosnien & Herzigowina nahtlos in Montenegro über. Montenegro soll laut auswärtigem Amt recht sicher sein (auch in Metropolen), aber die Autofahrer fahren wirklich wie "gesengte Schweine", Überholmanöver in den unübersichtlichsten Abschnitten mit absolutem Überholverbot sind keine Seltenheit. Weil, man fährt ja bloß 90 im 80er Bereich, das ist definitiv zu langsam für das Auto hinter uns! Und das Klischee vom testosteronübersättigten Südländer bestätigt sich nur bedingt: auch Frauen haben sich diese halsbrecherische Fahrweise angeeignet.

die andere Seite von Zabljak

In Montenegro gibt es, für ordnungsliebende Menschen aus dem deutschsprachigen Raum, noch eine weitere Kuriosität: es gibt praktisch keine Weidezäune. Die Kühe grasen einen halben Meter neben der Straße und stehen auch schon mal gerne auf der Fahrbahn. Aber: sie sind die vielen Autos auch gewöhnt, weichen deshalb auch (irgendwann) mal aus, gehen auch nicht auf Autos los (auch wenn sie rot sind, so wie unseres). Was für Kühe gilt, gilt übrigens auch für sämtliches anderes Weidevieh wie Schafe oder Pferde.

Kamp Razvrsje in Zabljak, Montenegro

Unser Destination Zabljak liegt auf 1.400 m. Wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass genau die 2 km² rund um den Ort, der sehr, sehr (SEHR!) beliebt ist für osteuropäische Touristen, so aussehen wir bei uns daheim. Das hätten wir wahrlich nicht erwartet, aber gut. Wir richten uns in unserem 5-Mann Zelt im Kamp Razvrsje also häuslich ein. Gerade noch beim Zelt aufbauen, latschen fünf Kühe seelenruhig über den Campingplatz (große, gut genährte Kühe, keine indischen Hungerhaken!). An den Blick von den anderen Campern sieht man genau, wer der Touristen sind. Ich will gar nicht wissen, wie wir dreingeschaut haben...

Monestry Dubrilovina in der Tara Schlucht in Montenegro

Am nächsten Tag brechen wir zur Besichtigung der Tara Schlucht auf. Nachdem wir gefahren und gefahren sind, und schließlich beim Kloster von Dubrilovina landen kann ich 1. sagen, dass die Tara Schlucht außer für Wassersport- oder Zipline-Begeisterte genau gar nichts zu bieten hat und 2. dass das Kloster Dubrilovina das kleinste Kloster mit der kleinsten (Holz-)Kirche ist, das ich jemals gesehen habe.

Monestry Dubrilovina in der Tara-Schlucht

Auf dem Weg zurück nach Zabljak bleiben wir dann trotzdem bei der Tara-Brücke stehen, machen, wie hundert andere Menschen zum gleichen Zeitpunkt, die gleichen Fotos von uns und der Brücke, genießen 10 Minuten die Landschaft und sind dann froh, wieder weiterfahren und diesem Menschenandrang entkommen zu dürfen.

Ein Blick in die Tara-Schlucht
Aussicht von der Tara-Brücke

Aber, wer auf Passstraßen steht, ist in Montenegro genau richtig. Mal geht's bergauf, mal bergab und die Straßen sehen aus, als hätte man sich mit gaaaaaanz viel Schießpulver den Weg freigesprengt. (Ob die montenegrinische Regierung mittlerweile Mengenrabatt auf Steinschlagnetze bekommt?!)

Roadtrip nach Zabljak, Montenegro



Der Ort Zabljak selbst hat ungefähr das Flair einer Goldgräberstadt im Norden Alaskas (zumindest stelle ich mir das, bis auf die mangelnde Kälte so vor), nicht typisch Ostblock, aber typisch genug um den städtetripverwöhnten Europäer die Nase rümpfen zu lassen. Ich mag's, erinenert mich ein bisserl an meine Heimatstadt Eisenerz.

Zabljak, Montenegro - Stadtzentrum
 DIE Attraktion ist der Gegen ist der Crno Jezero, oder Black Lake, der bereits im Durmitor National Park liegt. Dementsprechend muss man für einen Seerundgang 3 Euro pro Person berappen. Und nein, das Geld fließt definitiv nicht in die Säuberung der Wegränder (vielleicht bestenfalls in die Erhaltung des Parks und die Arbeitsplätze der Parkwächter in den Kassenhäuschen). Wir sind auf jeden Fall schockiert, es ist in Wäldchen abseits der Wege extrem verdreckt, überall liegen Müll und die obligatorischen Taschentücher herum.

Crno Jezero im Nationalpark Durmitor in der Nähe von Zabljak

Der See selbst ist schön und definitiv einen Besuch wert (wenn man damit leben kann, dass da nix ist mit Ruhe und Einsamkeit). Asiatische Touristen sieht man hier auch an jeder Ecke. 

Crno Jezero im Nationalpark Durmitor in Montenegro

Da unser Campingplatz genau auf einem Wanderweg zum See liegt, sind wir zu Fuß unterwegs und watscheln vom See "hinterwärts" nach Zabljak. Schön, relativ müllfrei, und ziemlich einsam. Nach einem kurzen Einkauf geht es wieder zurück zum Campingplatz. Da wir die Hauptstraße meiden wollen, finden wir einen Schleichweg und der wahrscheinlich einzige Weidezaun in einem 2km² Umkreis schneidet uns den Weg ab. Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts, weder Bauer noch Kuh in Sicht und wir sind jenseits den Zaunes....

Zabljak - Montenegro

Da der Beitrag vieeeeeel zu lang wäre, wenn ich alle Fotos in einen einzigen Artikel packen würde, werde ich aus unserem Roadtrip eine Beitragsserie machen. Im nächsten Teil der Serie nehme ich euch mit ins Durmitor Gebirge, im dritten Teil geht's dann weiter nach Kroatien ;-)

Ich freu mich auf euch, wenn ihr weiter mitlest. Wenn ihr keinen Beitrag von Green Bird mehr verpassen wollt,  folgt mir doch über Facebook, Instagram, Google+, Pinterest oder Bloglovin.

Das könnte dich auch interessieren

2 Kommentare

  1. Hallo Daniela,
    tolle Fotos von schöner Landschaft hast du auf jeden Fall mitgebracht, auch wenn ich deine Frustration über die Verdreckung gut nachvollziehen kann. So etwas macht mich auch fix und fertig, und in südlichen / südöstlichen Ländern ist es offenbar gang und gäbe, dass man alles, was man in der Hand hat und dort nicht mehr haben will, einfach fallen lässt. Gruselig auch die Landminensache in B&H! Dafür haben mich die Kühe & Co. auf der Fahrbahn nicht wirklich schrecken können, das haben wir in Irland, Namibia, Jamaica und (fast) überall sonst, wo wir mit dem Auto unterwegs waren, auch erlebt. Mit Kühen, aber auch mit Ziegen, Schafen, Eseln, Antilopen, Pavianen ... Und mit zwei starken schwarzen Männer, die über die Autobahn (in Südafrika) ganz langsam und lässig einen Baum getragen haben... und mit Temposchwellen auf Autobahnen in Indien (da sind wir aber nicht selbst gefahren) ... Offenbar sind nur wir hier so Ordnungs-verwöhnt ;-)
    Weil du mir vom Evian-Wasser geschrieben hast - das wird wenigstens nicht vom "Erzfeind" abgefüllt, sondern von Danone ;-) Es ist deutlich überbezahlt, es "kann" nämlich nicht viel, sprich es enthält nicht viele Mineralien, dafür lt. Wikipedia durchaus ein paar Keime... Aber ich wäre mir auch nicht sicher gewesen, ob das Leitungswasser in Montenegro trinkbar ist. Sie haben zwar viele Berge und damit vermutlich auch Quellen... aber bei den mangelnden Naturschutzstandards weiß man nie...
    Hab ein wundervolles Herbstwochenende!
    Alles Liebe, Traude

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Traude!
      Ja, das scheint tatsächlich so zu sein. In Slowenien ging es noch, die haben da anscheinend schon die "Ordentlichkeit" nördlicherer Gefilde übernommen, aber ab Kroatien war alles zugemüllt.
      Nein, erschreckt haben uns die Kühe auch nicht, war am Anfang nur etwas ungewohnt. Die Tiere scheinen die Straßen gewohnt zu sein, auch Ziegen und Schafe haben so öfter mal unseren Weg gekreuzt.
      Ha, die Geschichte mit dem Baum ist ja toll :D
      Ok, dann hatte ich das mit Evian falsch in Erinnerung. Dadurch, dass wir zuhause praktisch nie Flaschenwasser trinken (außer dort, wo das Leitungswasser vieeeeeel zu verkalkt schmeckt) hab ich da nicht so den Überblick.
      Ja, ich bin mir, ob der Müllberge im National Park, da auch nicht so sicher, ob es in Montenegro mit dem Naturschutz so weit her ist....

      Danke, dir auch noch ein schönes Wochenende!

      LG, Daniela

      Löschen

Hey! Ich freue mich über alle Kommentare, Fragen oder Anregungen, auch wenn ich nicht immer sofort antworte. Wenn es schnell gehen soll, schreib mir doch eine Mail ;-)