So pflegst du deine Strickpullover - Pflegetipps für Strickstücke aus Wolle

18. November 2016


Dass Wolle ein wunderschönes Naturprodukt ist bestreitet keiner. Dass sie bei der Pflege allerdings etwas divenhaft ist, leider auch nicht. Verwöhnt von pflegeleichten Kleidungsstücken, erscheint die seperate Behandlung von Strickstücken vielen mühsam. Doch das ist sie eigentlich gar nicht. Man sollte bei der Wäsche von Wollsachen nur ein paar Dinge beachten, um möglichst lange Freude damit zu haben.

Grundsätzlich sollte man sich vor jeder Wollwäsche die Frage stellen, ob diese überhaupt nötig ist. Wolle hat nämlich ein paar wunderbare Eigenschaften: verglichen mit Kunstfaser nimmt sie fast keinen Schmutz und vor allem keine Gerüche an. Das Strickstück über Nacht auslüften zu lassen kann da Wunder wirken.

Landet der Strickpullover irgendwann doch im Wäschekorb sollte diese ab nun mit Vorsicht behandelt werden. Stichwort: Wäsche sortieren. Zu oft ist leider schon ein Teil zur normalen 30 Grad Wäsche gewandert und damit höchstwahrscheinlich unwiederruflich zerstört worden.

Herstellerangaben beachten

Quelle: Wikipedia

Die Pflegehinweise der Hersteller geben die entscheidenenden Hinweise, wie das Strickstück zu pflegen ist. Hier ist eine Übersicht der Waschsymbole. Wer auf Nummer sicher gehen und keine Experimente wagen möchte, sollte sich bei der Pflege dann auch stur an die Pflegesymbole halten.

Die meisten Waschmaschinen haben mittlerweile ein Wollwaschprogramm, auf einigen Maschinen prangt das Logo "Wool Hand Wash Safe" der Woolmark Company. Leider habe ich dazu nur einen kurzen Auszug auf Englisch von Smeg finden können:

Woolmark Wool Hand Wash Safe: For Washing Machines: The wool wash cycle of this machine has been approved by The Woolmark Company for the washing of wool garments labelled as “hand wash” provided that the garments are washed according to the instructions issued by the manufacturer of this washing machine. Follow the garment care label for drying and other laundry instructions.

Dieses Logo prangt auch auf meiner Waschmaschine, darum möchte ich ein paar Erfahrungen mit euch teilen, die ich beim Waschen von Wollstücken gemacht habe.

Meine Pflegetipps für Wolle


1. Wäschenetz verwenden

Ein Wäschenetz ist ganz wichtig, damit sich keine Ärmel von unterschiedlichen Strickstücken miteinander verbinden können. Die Strickstücke immer auf links drehen, bevor sie ins Wäschenetz kommen.


2. Waschtemperatur ausschalten

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Wolle, entgegen landläufiger Meinung, nicht durch zu hohe Temperaturen verfilzt, sondern durch zu hohe Temperaturunterschiede. Der Pullover wird bei 30 Grad gewaschen, dann kommt das kalte Spülwasser in die Waschmaschine und letztendlich kommt der Pullover eine Spur zu klein aus der Waschmaschine.
Die besten Erfahrungen habe ich gemacht, wenn ich die Waschtemperatur einfach ausgeschaltet hab. Dann gibt's auch kein "Schocken" der Wolle.

3. Schleudern in der Waschmaschine

Der zweite Grund für das Verfilzen der Wolle ist eine zu starke mechanische Belastung. Wer seiner Waschmaschine im Wollwaschprogramm mal zusehen möchte wird merken, dass dabei viel mehr Wasser und viel geschmeidigere Bewegungen im Spiel sind als bei herkömmlichen Waschprogrammen. Die Wäsche wird in der Waschlauge sozusagen nur hin und her gewiegt um sie möglichst schonend zu waschen.

Ich schalte den Schleudergang immer auf 400 Umdrehungen runter, habe aber auch mit 600 Umdrehungen bislang keine katastrophalen Erfahrungen gemacht. Einige Strickerinnen empfehlen sogar die Maximalumdrehung, damit sich die Strickstücke beim Trocknen nicht verziehen können.

4. Feinwaschmittel

Unbedingt Feinwaschmittel verwenden, da diese keine optischen Aufheller und Bleichmittel enthalten. Einige Feinwaschmittel enthalten aber das Enzym Protease das Eiweißflecken lösen soll, für Merino aber eher schädlich sein soll. Ein Blick aufs Etikett lohnt sich also, vor allem bei Merinowolle sollte man auf Enzyme als Inhaltsstoff des Waschmittels verzichten.

Manche schwören auch auf Babyshampoos, weil diese besonders sanft sein sollen. Ein Blick aufs Etikett verrät allerdings, dass in herkömmlichen Babyshampoos die gleichen Tenside (z.B.: Sodium Laureth Sulfat oder Sodium Lauryl Sulfat) enthalten sind, wie in Shampoos für Erwachsene. Ich würde persönlich also eher zu Naturkosmetik-Babyshampoos greifen. (Woran man diese erkennt, erfährst du hier).

Auf keinen Fall Weichspüler verwenden, dieser nimmt der Wolle ihre natürlich Elastizität.

5. Nicht wringen!

Wer seine Wollsachen mit der Hand wäscht oder die Stricksachen vorsichtshalber nicht in der Maschine schleudern will sollte die Stück auf keinen Fall auswringen. Lieber auf ein großen Handtuch legen und zusammenrollen. Das zusammengerollte Handtuch nimmt die überschüssige Feuchtigkeit auf.

6. Liegend trocknen

Kommen die Wollsachen nach dem Schleudergang aus der Waschmaschine sollten sie, wie auch im Falle einer Handwäsche, immer liegend getrocknet werden. Ich lege meine Stricksachen immer auf das Trockengestell und achte darauf, dass kein Zipfel zu weit runterhängt und dadurch ausleiert. Bei Bedarf noch etwas in Form ziehen, fertig.

7. Aufs Bügeln verzichten

Bügeln ist in der Regel ohnehin nicht nötig, und wenn dann nur auf links gedrehte Stücke bügeln. Auf die Dampffunktion verzichten, da der Wasserdampf Schurwolle verfilzen kann.

Quelle: pexels.com

Megazicke Merino 

Wer glaubt normale Schurwolle sei schon divenhaft, hat noch nie mit Merinowolle gearbeitet. Merino ist zwar super weich und anschwiegsam, in der Pflege aber eine Katastrophe. Passte das Stück vor dem Waschen, passt es spätestens nach dem Waschen nicht mehr. Der Grund: Merinowolle leiert gerne. Beim Trocknen zieht sich Merino aber nur noch ganz wenig zusammen. Das Ergebnis ist ein gefühlt drei Kilometer zu langer Pullover.

Abhilfe schafft da die altbewährte Maschenprobe. Also vor dem Stricken des Merinopullovers eine Maschenprobe anfertigen, abmessen, die Maschenprobe dann genau so waschen, wie auch später der fertige Pullover behandelt werden soll. Nach der Wäsche die Maschenprobe nochmals abmessen. Näherungsweise kann man nun die Abweichung bestimmen und um wie viele Reihen das Strickstück kürzer werden soll.

Von oben nach unten gestrickte Modelle eignen sich auch besonders gut, da man nach der Wäsche gegebenenfalls noch ein paar Zentimeter vom Saum oder Ärmelbündchen wegnehmen kann. Sind die Ärmel allerdings von unten nach oben gestrickt hilft nur eines: mit der Nähmaschine an der gewünschten Stelle fixieren, Querfaden suchen und heraustrennen, Bündchen an der fixierten Stelle neu anstricken.

Nach einer kleinen Katastrophe beim Waschen hab ich Merino als Material für Pullover und Jacken abgeschworen. Für Mützen und Schals verwende ich es noch ganz gerne, weil da der Schaden durch das Waschen a) nicht so groß und/oder b) schneller behebbar als bei einem großen Stück ist.

[Mittlerweile verwenden auch viele Outdoor-Hersteller Merino für ihre Funktionsshirts. Mein Freund hat ein paar davon und schwört darauf. Dafür gelten die gleichen Pflegetipps, die ich oben beschrieben habe. Allerdings sollte auf das Schleudern laut Herstellerangabgen komplett verzichtet werden. Die Stücke werden stattdessen tropfnass im Schatten aufgehängt. }

Noch ein kleiner Tipp zum Abschluss:

Um diese kleine lästigen Knötchen (= Pilling) auf seinen Stricksachen wieder loszuwerden eignet sich ein Damenrasierer oder ein spezieller Wollrasierer. Die Strickstücke sehen danach wieder wie neu aus.

Noch nicht genug Pflegetipps bekommen? Hier gibt's noch mehr davon:

Kleidung aus Wolle waschen
Strickteile werden nach dem ersten Waschen zu groß? (Stricknetz Forum)

Mit welcher Pflege habt ihr bislang die beste Erfahrung gemacht?

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4 Kommentare

  1. Danke für die Hinweise! Du hast gerade zur richtigen Zeit gebloggt: meine Mutter und ich wollten näcmlich justamente heute Merinowolle für einen Pullover bestellen! Wir haben nach der Lektüre dieses Eintrags von Dir auf Schurwolle geswitcht :) Danke!

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    1. Hallo!
      Bitte gerne ;-) Ich hoffe, euch gefällt die Schurwolle, die ihr bestellt habt.
      Merinopullover würde ich von oben nach unten stricken. So kannst du dann, wenn er nach dem Waschen länger geworden ist, etwas Länge wegnehmen. Für Schals, Mützen oder Stirnbändern verwende ich nach wie vor gerne Merinowolle, einfach weil es nicht mal in Ansätzen kratzig ist.

      LG

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  2. Man merkt, wer aus einem Wollhaushalt kommt ;) Bis auf einen einzelnen Socken ist mir zum Glück noch nie ein Wollteil in die normale Buntwäsche gewandert (der Socken war dann Kindergröße).
    Wäschenetz nutze ich, aber eher um die Fluseln der Wollsocken nicht auf den Pullis zu haben :D Auf Links habe ich sie allerdings noch nie gedreht. Das mach ich bei keiner Wäsche...die Faulheit hat gesiegt und ich habe es noch nie bereut...

    Ich liebe die Dufteigenschaft von Wolle! Die Pullis und Jacken muss ich so echt total selten waschen. Meine Sportoberteile sind inzwischen auch nur noch Wolle und ich kann locker 15 Mal das Teil durchschwitzen und es riecht auch direkt nach der Bewegung nicht (und die Plastiksportjacke drüber stinkt nach einmal Tragen).

    Ich möchte mir in der neuen Wohnung so ein Trocknungsgestell basteln, auf dem man Wolloberteile prima hinlegen kann und dann mit ner Schnur unter die Decke zieht (über der Wanne, da kann es tropfen und stört niemanden). Wäre vielleicht auch was für euch :)

    Danke für die Zusammenfassung,
    Liebe Grüße,
    Maria

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    1. Haha, wie Recht du hast.

      Mir ist auch mal ein Paar Alpaka Socken zur normalen Wäsche gerutscht. Vorher passten sie meinem Freund, nachher mir und nach einer weiteren Wäsche waren sie auch mir zu eng...

      Wir waren vier Tage lang am Berg unterwegs. Keine Hütten, sondern mit Zelt und Schlafsack. Übernachtet haben wir bei Seen oder Quellen. Dementsprechend sparsam fiel dann auch Wäsche waschen aus. Während ich nach dem ersten Tag mein Baumwollhemd nicht mehr anriechen konnte und es einer Wäsche unterzog, hat mein Freund drei Tage lang das gleiche Merinoshirt angezogen und es hat nie gerochen. Bei den Wollsocken war er genauso beinhart.

      Ich hatte einmal ein Funktionsshirt aus Kunstfaser. Nach drei Stunden am Berg in dem Teil hat das so gestunken, dass ich nur mehr runter, mich waschen und umziehen wollte. Seitdem schwöre ich auf Baumwollhemden, werde aber irgendwann auch auf Merinoshirts zum Wandern umsatteln.

      Ui, das mit dem Trockengestell klingt ja super. Das musst du auf deinem Blog unbedingt zeigen. Vielleicht baue ich mir auch so eins. Das Auflegen nervt am ganzen Woll-Pflegeritual nämlich am meisten.

      Liebe Grüße, Daniela

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