Wertschätzung von Kleidung

14. Dezember 2015


Ein Kleiderflohmarkt unter Freundinnnen und sowie dieser sehr aufrüttelnde Beitrag von Maria haben mich zu diesem Artikel inspiriert.

Wie viel ist uns eigentlich Kleidung wert? Einige werden jetzt vermutlich denken: sehr viel. Und ihre Kreditkartenabrechnungen werden ihnen wahrscheinlich auch recht geben. 
Aber nur, weil man viel für Kleidung bzw. seinen persönlichen Stil ausgibt, muss man diese Kleidung ja nicht schätzen. Sieht man sich die Masse an Konsumtempeln an wird wohl klar, dass sich diese eher nicht mit hochqualitativer Kleidung finanzieren lassen, sondern mit billigst produzierter Massenware, die trotz kleinem Preis einen hohen Aufschlag hat.

Die „Krot“ fressen natürlich wieder die anderen. In diesem Fall die Näherinnen in Fernost, die für unsere „Fast Fashion“ zwölf Stunden pro Tag in baufälligen Fabriken schuften. Oder die Arbeiter in der Türkei, die für unsere Jeans im neugekauften Used-Look eine Staublunge in Kauf nehmen müssen.

Mittlerweile hat sich der Teufel der Textilriesen auch in Österreich breit gemacht, kaufwillige Konsumopfer strömen in Scharen dorthin um Massen an absolut minderwertiger Billigkleidung mit nach Hause zu nehmen und vielleicht noch ein hübsches Video des Einkaufswahnsinns ins Netz zu stellen.

Und wenn uns die hübschen, neuen Teile, die sich oft beim ersten Waschen unwiederbringlich verziehen, nicht mehr gefallen, stopfen wir sie in die Altkleidercontainer, die eh überall herumstehen. Damit auch noch die armen Afrikaner was zum Anziehen haben. Die wenigsten wissen, dass diese Schwemme an „Gratiskleidung“ die afrikanische Textilindustrie ruiniert hat. Denn die gespendeten Kleider werden nicht umsonst an die Armen verteilt, sondern über Zwischenhändler auf Märkten verkauft. Die Zwischenhändler wiederum verdienen sich dabei ein goldenes Näschen. Gemäß dieser Doku soll ja besonders deutsche (und wahrscheinlich auch österreichische) Ware sehr begehrt unter den Händlern sein, weil kaum getragen.

Der Ausweg aus dieser Neukaufspirale wird im Internet ja viel diskutiert. Second Hand scheint, nach dem kompletten Verzicht auf Shopping, zumindest die zweitbeste Lösung zu sein. Doch nur, weil man die Kleidung Second Hand nun noch billiger bekommt, konsumiert man folgerichtig nicht zwangsläufig weniger.

Auch eine Leidenschaft fürs Nähen erhöht nicht unbedingt die Wertschätzung für Kleidung. Man weiß nun zwar, wie viel Arbeit in einem Kleid steckt, doch auch wie schwierig es ist so ein Stück passgenau hinzubekommen. Dementsprechend viele Fehlschläge, die ja auch irgendwo hinmüssen, muss man hinnehmen, bis endlich mal ein Teil so sitzt, wie es sitzen sollte.

Selbstgemachte Kleidungsstücke, egal wie sie sitzen, haben für den Produzenten einen viel höheren Wert als für einen möglichen Konsumenten, der darin nur ein Kleidungsstück unter vielen sieht. Dementsprechend uneins ist man sich dann auch bei der Preissetzung.

Doch ein Business, dass 22 Saisonen kennt und bei dem der komplette Wertschöpfungsprozess vom Design zur Auslieferung innerhalb von 3 Wochen bewältigt wird, kann uns keine höhere Wertschätzung lehren. Warum auch? Ist doch schlecht fürs Geschäft.

Also liegt es an jedem einzelnen von uns sich dagegen zu wehren und einen kleinen Beitrag zu leisten. Vielleicht sich nicht jede Woche mit der besten Freundin auf die Suche nach dem neuesten Must-Have begegeben. Vielleicht nicht jedes Jahr die Garderobe, oder zumindest große Teile davon, komplett überarbeiten. Vielleicht nicht immer dem Bedürfnis erliegen noch mehr besitzen zu müssen, weil man hat es sich ja verdient.

Vielleicht einfach mal ein bisschen genügsamer durchs Leben gehen.


** „Wir“, damit nehme ich mich persönlich nicht aus. Auch mein Konsumverhalten ist nicht immer mit dem verträglich, das ich eigentlich kritisiere. Was nicht heißt, dass es mich deshalb nicht umso mehr stören kann. Nur eines kann ich mit gutem Gewissen behaupten: Österreichs neuester Riesen-Textilimporteuer wird mich sicher nicht sehen!

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11 Kommentare

  1. Gefällt mir gut, dieser Beitrag! Ich war vor Jahren in Namibia, wo wir nur den Kopf schütteln konnten über Kleidermärkte und über beispielsweise Käse aus Europa, der dort um einiges günstiger verkauft wurde (dank EU-Subventionen) als der heimische/namibische Käse... So geht's natürlich auch nicht, Wirtschaft und Globalisierung hin oder her. Das haut dem Fass wirklich den Boden aus!
    LG Anni

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    1. Hallo Anni!
      Danke für deinen Erfahrungsbericht! Das kommt mir bekannt vor: mir den europäischen Rest-Hühnchen macht man das gleiche. Da die Europäer nur mehr das Bruststück essen wollen und kaufen, werden die restlichen Fleischstücke exportiert und zerstören andernorts den Fleischmarkt.
      Beispiele, wie Globalisierung NICHT funktioniert gibt es traurigerweise wohl viele.

      LG, Daniela

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  2. Hallo Daniela!

    Ja, das mit der Kleidung ist wirklich ein Hammer, ein ganz großes Problem. Ich habe gerade die Dokumentation "Hugh's war on waste" Teil 2. gesehen, da zeigt er wie viel Kleidung in 10 Minuten in GB weggeworfen wird. Da kann einem ganz schlecht werden.

    Ich freue mich sehr, dass Du hier das Thema aufgreifst! Im Besonderen wichtig finde ich auch das Thema "selber nähen" denn auch die Stoffe zum Nähen müssen produziert werden und das ist leider auch nicht immer so ganz korrekt.

    Auch wenn ich etwas nähe, versuche ich in erster Linie Stoffe aus zweiter Hand zu verwenden oder überhaupt Alttextilien zu verwenden, die nicht mehr tragbar sind wegen einem Fleck oder einem Loch. So kann das Teil doch noch gerettet werden.

    lg
    Maria

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    1. Hallo Maria!

      Interessanter Tipp, muss ich mir auch anschauen. Wir hatten in der Schule eine BBC Doku behandelt, wo Mädchen die vorzugsweise nur beim Textilteufel und dergleichen einkaufen gingen, nach Fernost in solche Fabriken zum Arbeiten geschickt wurden. Die waren alle ziemlich entsetzt...

      Ja, die Stoff für die selbstgenähte Kleidung. Ich muss ja gestehen, dass ich mir bisher nicht soooo viele Gedanken darum gemacht habe. Einfach weil ich viel weniger nähe als ein "normaler" Konsument Kleidung neu kauft. Aber ich nähe auch gerne Teile um die ich bei der Caritas oder bei den Kleidertauschpartys ergattert hab.

      LG, Daniela

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  3. das ist so wahr wie auch schlimm - manchmal ertappe ich mich auch: "ach komm, das T-Shirt ist so günstig, da kannste auch gleich 2 mitnehmen"
    hilfreich ist in meinem Fall, dass ich wirklich selten shoppen gehe
    aber danke noch mal für den Denkanstoß!
    liebe Grüße
    manu

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    1. Ja, ganz frei von Sünde bin ich in diesem Fall auch nicht. Ich hab mich erst im August diesen Jahres dabei ertappt ein Shirt zu kaufen, obwohl ich wusste wie billig ist und wie minderwertig es höchstwahrscheinlich sein muss. Meine Vermutung wurde nach der ersten Wäsche bestätigt...
      Ich gehe mittlerweile auch nur mehr ganz, ganz selten Kleidung neu kaufen. Das hilft wirklich extrem solche Situationen zu vermeidne.

      LG, Daniela

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  4. Liebe Daniela,
    in dem Städtchen, wo meine Eltern leben, gibt es keine Altkleider-Container sondern eine Kleiderbörse, so eine Art Second-Hand-Shop. Die Stadt stellt Verkaufsräume und einen Lager zur Verfügung, die Verkäuferinnen werden vom Arbeitsamt (sehr gering) bezahlt. Die Einwohner geben hier ihre Kleider kostenlos ab. Die Käufer sind meist bedürftigen und kinderreichen Familien. Klar kommen Sie hierher, weil sie die Kleider hier billiger bekommen, aber ich bin mir sicher, sie schätzen diese sehr.
    Ich meine nur, dass man manchmal mit seinen Kleiderspenden keine ausländische Industrie ruiniert, sondern ein paar Menschen im Innland unterstützt... In einer besseren Welt wäre das nicht nötig, aber in einer besseren Welt würde wahrscheinlich auch dein Beitrag nicht so entstehen...
    Es ist ein schöner Post!
    Liebe Grüße
    Natalia

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    1. Liebe Natalia!

      Danke für deinen ausführlichen Beitag! Ich finde das immer interessant, wie das in anderen Städten so gehandhabt wird.
      In meiner Heimatstadt gibt es nur ganz weniger Altkleidercontainer. Grundsätzlich bringt man seine Kleidung dort in den "Kleiderladen". Der wird von der Pfarre unterhalten und durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen (ältere Damen aus der Pfarrgemeinde) betrieben. Die haben allerdings nur einmal die Woche geöffnet.
      Die Kleidung ist dort sehr, sehr billig und wir eher zu einem Unkostenbeitrag verkauft. Ich habe die Teile, die ich dort erstanden habe aber trotzdem gerne getragen und sie geschätzt.
      Die Käufer sind aber auch im Kleiderladen eher bedürftige Familien.
      Aber bei solchen Läden weiß man oft auch, wem es direkt zugute kommt, da man die Sachen selbst dorthin bringt und sie auch gleich dort wieder verkauft werden. Bei dubiosen Altkleidercontainern, bei denen die Ware zuerst mal an ein Entsorgungsunternehmen (!) geht weiß ich eben nicht, wo meine Kleiderspende in letzter Instanz hinkommt.
      Und weil ich das eben nicht weiß, will ich diese speziellen Container auch nicht unterstützen.

      LG, Daniela

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  5. Liebe Daniela,
    danke für diesen tollen Beitrag - der bringt mich wieder sehr zum Nachdenken. Ich versuche mir zwar auch einiges selber zu nähen und mich immer wieder zu fragen, ob ich das Teil, das ich kaufen möchte wirklich brauche, aber manchmal versagen meine guten Vorsätze und ich kaufe doch mal wieder etwas, obwohl es wirklich nicht nötig wäre.
    Ich finde das Buch "Ich kauf nix" von Nunu Kaller auch ganz gut, die sich durch eine selbst auferlegte Shopping-Diät auch mehr mit dem Wert der Kleidung beschäftigt.
    Dein Beitrag hat mich auf jeden Fall wieder aufgerüttelt!
    Alles Liebe zu Dir,
    Doris

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  6. Danke für diesen polemischen aber gerade dadurch aufrüttelnden und feinen Beitrag! Auch mich treibt der Wahnsinn der Bekleidungsindustrie in lezter Zeit um. Selber nähen ist aber nicht unbedingt besser, haben mich diverse Foren gelehrt, wo sich die Damen nahtlos vom "ich-shoppe-billig-Kleidung" ins "ich-shoppe-billig-Stöffchen" begeben und bis zu mehrmals wöchentlich neue "Teilchen" präsentieren. Ich habe mich aus diesen Foren wieder abgemeldet. Mache im kommenden Jahr den Inhalt meines Kleiderkastens neu, reduziert, und passender. Denn wenn schon selber nähen, dann mit Bio- und Fair-Stoffen. lg, Gabi

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    1. Hallo Gabi!
      Du hast das sehr gut auf den Punkt gebracht: mich stört dieser Schritt vom billigen Einkaufen hin zum billigen Stoff auch. Vor allem, wenn sich an der Menge der Teile dadurch genau nichts ändert.
      Dein Vorhaben finde ich gut. Ich hab mich in letzter Zeit auch von vielen selbstgenähten Teilen verabschiedet.
      Und man sollte nicht nähen, nur damit man etwas neues näht, sondern um das fertige Teil auch wirklich anziehen zu wollen und deshalb auch gerne im Schrank zu haben.
      Wenn sich an der Grundeinstellung des "immer mehr" und Shopping als Freizeitbeschäftigung nichts ändert, ist es völlig egal, ob man neu, Second Hand oder nur Stoffe kauft. Der Stoffvorrat mancher Näherinnen ist ja wirklich beängstigend!

      LG, Daniela

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