Warum Entrümpeln befreiend wirkt

3. Dezember 2015

1. Soll ich, oder soll ich nicht?

Aussortieren - man liebt und hasst es zugleich. Auf der einen Seite ist man froh über den neu gewonnen Platz, auf der anderen Seite schmerzt einem das Herz, wenn man viele Dinge weggibt. Damit Entrümpeln überhaupt einen Sinn hat, muss man sich erst mal klar werden, was man überhaupt will: viel Platz oder viel Zeug.

 

2. Eigene Bedürfnisse ermitteln

Wir leben zu zweit in einer 42m² Wohnung in der Stadt. Wäre eigentlich groß genug, hätten wir nicht beide Hobbies, die recht platzintensiv sind.

Fürs Selbermachen diverser Gegenstände oder Kleidungsstücke brauche ich viel Platz für die Lagerung des Materials. Mein Freund braucht viel Platz für sein Klavier und das technische Equipment zum Musikmachen.

Warum Entrümpeln Aussortieren Ausmisten befreiend wirkt


3. Löse dich vom Gedanken des "Stauraum schaffens"

Mache nicht den gleichen Fehler wie wir und stopfe gefühlt jedes Stückchen Bodenfläche mit Kästen und Kommoden voll.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, alle benötigten Gegenstände auf so geringem Platz unterzubekommen und trotzdem in einer gemütlichen Wohnung zu leben. Gemütlich heißt für mich übrigens schon ein kleines bisschen überladen sein. Vollkommen minimalistische Wohnungen mag ich persönlich gar nicht.


4. Wenn das Bedürfnis nach Platz plötzlich überwiegt

Als ich dann "Magic Cleaning" gelesen habe und anfing mich mit Minimalismus zu beschäftigen, kam der Wunsch nach mehr Platz auf. Nicht für Zeug, sondern für mich. Ich sortierte zwar immer mal wieder fleißig aus, doch es blieb halt doch immer viel übrig, das man "vielleicht noch mal brauchen könnte". Unbewusst bin ich, zum Teil auch durch mein Hobby, immer wieder selbst in die Falle getappt.

Vor ein paar Tagen wurde es mir mal wieder zu viel und der Wunsch nach mehr Bodenfläche wurde akut. Als ich mein Vorhaben mit meinem Freund diskutierte, gab er auch zu sich etwas unwohl in der Wohnung zu fühlen. Dies gab für mich dann schlussendlich den Anstoß, wirklich gründlich auszumisten und etwas von meinem Strauraum zu opfern.


5. Das "richtige" Aussortieren

Wir sprachen darüber, nach welchen Kriterien man am sinnvollsten ausmisten sollte. Marie Kondo vertritt in ihrem Buch die Auffassung, dass man alles weggeben sollte, das man nicht liebt. Die zwei von The Minimalists schlagen eine Packing Party vor: alles wird in Schachteln gegeben und man nimmt nach und nach die Gegenstände heraus, die man benötigt. Das geht ein paar Monate lang so, was dann noch in den Schachteln ist, kommt weg.

Inspiriert von Leo Babauta, der mit Frau und sechs Kindern mit insgesamt acht Rucksäcken in ein anderes Land übersiedelte, entwickelten wir unsere "eigene" Methode: was würden wir an persönlichen Gegenständen mitnehmen, wenn wir nur einen Anhänger voll mitnehmen könnten.

Bekanntlich will man diese "Hardcore" Methoden allerdings erst zu 100% umsetzen, wenn man keine Alternative hat. Doch die Überlegung "Was würde ich mitnehmen und was hier lassen" half mir, vieles loszulassen, an dem ich bislang stur festhielt.  

Wir befanden, dass man nur solche Sachen mitnehmen sollte, die man
  1. am Zielort ohnehin wieder kaufen müsste (Grundausstattung Töpfe, Geschirr, Kosmetik, Kleidung etc.)
  2. die man wirklich liebt und nicht hergeben möchte (Ausrüstung fürs Wandern, Nähmaschine, Klavier etc.)


6. Mit Freude aussortieren

Ganz wichtig: nur an Tagen, an denen man auch wirklich Lust auf eine Veränderung hat, klappt das mit dem Aussortieren.

Innerhalb von nur einem Tag habe ich meine Bastel- und Nähutensilien um die Hälfte reduziert. Dinge, die den letzten Entrümpelungsaktionen nur mit knapper Not entkamen und bis jetzt nicht gebraucht wurden, habe ich weggeben.

So wurde ein komplettes Bücherregal überflüssig. Die Kommode, die bislang als Raumtrenner (in einerm 14 m² kleinen Raum) fungierte, rückte an die Wand. Das Bett steht nun direkt an der Wand und ich schlafe somit in einem kleinen "Nest". In der Mitte des Raumes ist nun Bodenfläche frei geworden.

Mein Freund kann nach einer Bergtour das Zelt zum Trocknen aufstellen und ich kann mich beim Nähen ausbreiten und den Stoff bequem zuschneiden. Wir haben also beide gewonnen!


7. Dranbleiben!

Um die Menge an Kram in Zukunft konstant zu halten, habe ich diese Regeln aufgestellt:

  • bewusster Konsum - vom "Alles, immer, jetzt" loskommen
  • Fehl- und Habenwollen-Käufe vermeiden
  • bei Kleidung, Taschen, Schuhen, Accessoires gilt folgende Regel: kommt ein Teil dazu, muss ein anderes weg
  • Genau darauf achten, was man überhaupt in die Wohnung lässt - das erspart das regelmäßige Aussortieren
  • besser auf zusätzlichen Stauraum verzichten und das zu Verstauende im Zweifelsfall nochmal aussortieren
  • den Gegenständen einen festen Platz zuweisen (gilt  vor allem für den Keller), damit man die verstauten Dinge auch schnell wiederfindet

Wie macht ihr das so? Habt ihr irgendwelche Tipps und Tricks zum Thema Aussortieren und Entrümpeln? Wie oft geht das bei euch vonstatten? Regelmäßig oder einmal, aber dann richtig?

Ich freue mich auf eure Beiträge zum Thema!

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12 Kommentare

  1. ...bin grad, dabei ;O) und für den Kleiderschrank, kauf ich nur eins und entrümpel zwei !!
    Sei lieb gegrüßt
    Gabi

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    1. Oh, das finde ich toll! Ich schaff das allerdings nicht. Wir machen ein, zwei Mal im Jahr eine Kleidertauschparty und da nehm ich dann doch immer ein paar Teile mit nach Hause. Entrümpelt wird dann eben vorher, damit die "neuen" Sachen auch Platz haben ;-)

      Liebe Grüße, Daniela

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  2. Hallo Daniela!

    Jetzt habe ich gerade Lust bekommen, heute wieder einmal eine Runde zu drehen und auszusortieren!

    lg
    Maria

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    1. Hallo Maria!

      Freut mich, dass ich dich inspirieren konnte ;-)

      Liebe Grüße, Daniela

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  3. Wenn ich ausmiste, dann richtig und dann von jetzt auf gleich. Das sieht für meinen Freund immer sehr befremdlich aus, dernn er kann sich schwer von Dingen trennen. Bisher jedoch, haben wir noch nie etwas vermisst was ich entrümpelt habe. Das ist auf jeden Fall ein Tipp für alle die sich schwer von etwas trennen können. Erstmal ein paar Monate etwas aus den Augen beiseite legen und wenn man es dann nicht vermisst oder braucht, kann es weg. Der Keller ist mal wieder dran, da müsste dringend aufgeräumt und aussortiert werden, das werde ich wohl heimlich machen müssen, denn mein Freund kann immer alles noch gebrauchen. :-)
    Im Moment kaufe ich garnix zum Anziehen, weil ich alles habe oder aus meinem vorhandenen Stoffvorrat Kleidung nähe.Ich kaufe ich nur nach, wenn etwas kaputt geht, das ich nicht reparieren kann ( z.B.Socken) oder die Leggings Beulen an den Knien bekommt. Auch dann kommt das alte Teil natürlich weg und wird durch das neue ersetzt. Es wirkt übrigens unheimlich befreiennd, wenn man nicht mehr durch die Geschäfte hetzt im Vorweihnachtsstress und unnützes Zeug kauft wie Kerzenständer oder farbige Pappschachteln oder sonstewas. Was die Leute alles kaufen ist der Wahnsinn ( und wenn man bedenkt wieviel sie davon eigentlich brauchen) Aber gerade in der Vorweihnachtszeit werden viele Leute konsumgeil.
    Freue mich, wenn du weiterhin über Minimalismus schreibst!!! Finde ich super!
    Und auch dass ihr beiden auf 42 m2 lebt, Respekt!
    Grüße

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    1. Ich mach das auch immer spontan. Wenn ich es mir vornehme funktioniert das in den seltensten Fällen.
      Und dann kommt auch immer sehr, sehr viel Zeug weg. Ich fahr dann fast immer eine ganze Autoladung voll Zeug zum Sachspendenmarkt.
      Neu kaufe ich im Moment auch gar nichts. Hin und wieder ein Second Hand Teil, wenn mir ein fesches über den Weg läuft. Über Kleidertauschparty unter Freundinnen komme ich seit fast zwei Jahren regelmäßig an "frische" Kleidung. Da die Freundinnen ohnehin weiter shoppen gehen, und somit immer mal wieder auch bei denen aussortiert wird, ist das eine gute Möglichkeit für die anderen an was neues zu kommen, bevor das Zeug in die Altkleidertonne wandert.

      Hosen die Beulen an den Knien bekommen haben, oder dort löchrig geworden sind, schneid ich einfach ab. Ich hab Sommershorts noch nie gekauft :-)

      Oh ja, da hast du Recht! Ich arbeite selbst im Handel und bekomm den Weihnachtswahnsinn also auch ein bisschen mit. Weihnachten ist halt leider mit Schenken MÜSSEN verknüpft. Zumindest für sehr viele.

      Zumindest bis Herbst nächsten Jahres leben wir noch auf 42m² (und das übrigens schon seit mehr als fünf Jahren). Danach dehnen wir unseren Wohnraum hoffentlich ein bisschen aus, so 50m² mit zwei separat begehbaren Zimmern wären schon toll :-D

      Liebe Grüße, Daniela

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  4. Ich denke auch, dass es der beste Weg ist, gar nicht erst so viel anzuschaffen, sondern sich klar zu werden, was man wirklich braucht und das dann gezielt zu kaufen und im besten Fall selbst zu machen oder Second Hand zu kaufen. Letzteres mach ich gerade bei Klamotten, die ich nicht selbst machen kann, gern. Und mir klappt jedes Mal die Kinnlade runter, wenn ich bei ebay quasi neue Sachen eingestellt sehe, bei denen ich eine Ahnung habe, was die gekostet haben und wo der Verkäufer dann sowas schreibt wie "nur zweimal getragen". Das kann ich echt nicht nachvollziehen.
    Dem sogenannten Weihnachtsstress entgeht unsere ganze Familie schon lange, indem wir uns gar nichts mehr schenken - außer Zeit füreinander, davon haben wir nämlich eh am wenigsten und es ist unbezahlbar und nimmt auch keinen Platz weg ;-)
    LG
    Anja

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    1. Selbermachen kann ja sehr erfüllend sein. Ein besserer Zeitvertreib als den ganzen Tag in die Glotze zu gucken, find ich zumindest.
      Second Hand kaufe ich auch gerne. Wobei ich zugeben muss, dass gewisse Kleidungsstücke nicht Second Hand kaufe (wie Jacken, Schuhe, Strümpfe, Unterwäsche).

      Ja, Kleiderkreisel ist da auch sehr "schlimm". Wie viel Fummel da angeboten wird ist der Wahnsinn.

      Das ist eine gute Idee. Ich trag bei zu Hause mal an, ob wir dieses Jahr wichteln ;-) Zeitgeschenke lösen unsere Eltern leider nie ein. Wir haben es schon ein paar Mal erfolglos versucht.

      LG, Daniela

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    2. Ja, mit der Glotze sagst Du was! Ich wurde schon oft von Leuten auf meine selbstgestrickten Sachen angesprochen mit dem Zusatz, dass sie selbst dafür ja gar keine Zeit hätten! Ich frag dann immer "Hast Du einen Fernseher?" und erhalte meist ein verständnisloses "Ja?!" Mehrere Stunden wöchentlich oder gar täglich fernzusehen, dafür haben die meisten Leute erstaunlicherweise ganz selbstverständlich Zeit! Und regen sich dann endlos über das schlechte Programm auf. Mein Vater macht das ab und zu und ich lach dann immer und sag ihm, er soll das Ding dann doch einfach ausmachen!
      Wir haben keinen Fernseher und werden uns so einen Zeitfresser auch nicht anschaffen. Ein weiterer schädlicher Nebeneffekt eines solchen Dings, sofern man es nicht ausschließlich für die öffentlich-rechtlichen Sender nutzt, ist nämlich die Werbung, durch die tausend Bedürfnisse geweckt werden, die man normalerweise nicht hätte, was dann wieder den sinnlosen Konsum ankurbelt.
      LG
      Anja

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    3. Ja, die fehlende Zeit...

      Wir haben zwar auch einen Fernseher, doch er ist nicht angeschlossen und nur fürs DVDs gucken (also ein ziemlicher Staubfänger). Serien oder Dokus schau ich mir gezielt übers Internet an, daneben strickt es sich auch ganz gut ;-)
      Die Programme sind, meine Meinung nach, ja deshalb so schlecht, weil 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche... was laufen muss. Am besten was neues. Und das neue ist dann halt meistens Schrott (egal ob es sich dabei um die neuen Zeichentricks oder die neuen Doku-Soaps handelt).
      Ja, Werbung ist mittlerweile nicht mehr dazu da über Produkte zu informieren, sondern um Bedürfnisse zu schaffen. Bei den meisten Produkten in einem Geschäft weiß ich noch nicht mal, was ich damit machen sollte.
      Aber die öffentlich-rechtlichen sind auch nicht mehr das was sie mal waren. Am Ende des Films ist dann halt ein zehnminütiger Werbeblock....

      Liebe Grüße, Daniela

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  5. Mein rituelles Freitagmorgen-Kaffeepäuschen ist vorüber. Danach steht immer wieder Aus- und Aufräumen, Entrümpeln, Haushalt und so weiter an. Schön, dass mich dein Beitrag heute Morgen ganz besonders motiviert hat, am Thema dranzubleiben! ♥

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  6. Hallo :)!
    Mich überkommt das Ausmisten alle paar Wochen/Monate, dann geh ich von Raum zu Raum und räume alles durch - ich finde tatsächlich jedes Mal noch einige Kleinigkeiten, von denen ich mich beim Mal davor noch nicht trennen konnte und so sind schon Unmengen an Dingen weggekommen (in den Kost-Nix-Laden oder privat verschenkt). Ein heißer Tipp ist sicher, dass man eben aufpasst, was man "herein" lässt, da muss ich mich immer wieder zusammenreißen :)! Glg Sara

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