Bergtour #5 - Grete-Klinger-Steig - Reichenstein - Hohe Lins - Niedertörl

23. August 2014

Am Wochenende gab es endlich wieder schönes Wetter und wir nutzten diese beiden Tage um den seit längerem geplante ersten Teil des Eisenerzer Alpenkammweges zu gehen. Wir starteten bei der Hirnalm, übers Barbarakreuz ging es zum Grete-Klinger-Steig (B/C), dabei kommt man über mehrere Gipfel - über das Fahnenköpfl, die Vordernberger Mauern, den Vordernberger Zinken und am Grübelzinken vorbei zum Reichenstein. Wir stiegen zur Hütte auf, bei der wir dann auch übernachteten. Am nächsten Tag ging es dann über die Große Scharte weiter zur Hohen Lins, vorbei am Zwölferkogel zum Niedertörl. Dort stiegen wir dann Richtung Galleiten ab und mein Vater holte und dort mit dem Auto ab.

TAG 1

Am ersten Tag starteten wir gegen halb 11 und kamen um halb 8 bei der Hütte an. Angeschrieben ist die Gehzeit vom Barbarakreuz zum Reichenstein mit 6 Stunden. Wer diesen Weg in 6 Stunden schaffen will muss wohl mit sehr leichtem Gepäck unterwegs sein. Wir mit unseren obligatorischen 11 Kilo am Rücken schafften das bei Weitem nicht. Dafür sind wir eben gut mit Trinkwasser und Zusatzkleidung für einen Wetterumschwung versorgt.


Vom Barbarakreuz geht es steil des Wald hinauf. Die Aussicht ist hier nicht so berauschend. Nach dem versicherten Steilanstieg kommen wir aufs Fahnenköpfl. Hier ist es zwar sehr beengt, doch es gibt zwei kleine Bänke und man kann kurz rasten bevor es weiter geht.


Der Klettersteig teilt sich in einige Kletterpassagen und sehr viele lange Gehpassagen auf. 


Direkt nach dem Fahnenköpfl kommt ein B/C Aufsteig der sich "Luftiger Grat" nennt. Während wir drüber gehen wird uns auch klar warum: hier geht es schon ganz schön runter. 


Wieder liegt ein Steilanstieg hinter uns...


Rechts im Bild kann man das Gipfelkreuz der Vordernberger Mauer erkennen. Dort rasten wir ein wenig.





Vom Gipfelkreuz der Vordernberger Mauer können wir die Gipfel des Polster, der Vordernberger Griesmauer und der TAC-Spitze erkennen. Dort waren wir im Juli des heurigen Jahres auch schon...

Nach dem Ende des Klettersteigs rasten wir wieder. Mittlerweile sind wir ziemlich erschöpft und haben die Pause bitter nötig.



Ein Blick hinunter zum Krumpensee. Mittlerweile ist es schon recht spät, wir sind völlig fertig, aber leider noch immer nicht am Reichenstein. Wir gehen am Grüblzinken vorbei und sehen den letzten Wegweiser: Reichenstein 1,5 Stunden. Die Verzweiflung naht. Noch einmal durchbeißen und weiter gehen. Hilfts ja nichts. Hinter uns kommen dann auch noch drei Leute, die den ewig langen Weg auch etwas unterschätzt haben, allerdings noch ein etwas schnelleres Tempo halten können als wir. Wir versuchen uns trotzdem bei ihnen dran zu hängen, passieren die berüchtigte Steinstiege, die einfach eine lange Stahlleiter ist, und sehen dann endlich die Hütte. Noch ein paar Serpentinen und wir sind endlich am Ziel. Den Gipfelanstieg verschieben wir auf den folgenden Tag, lassen uns auf ein Bankerl plumpsen und sind glücklich über das Bier und den Schnaps, den der Hüttenwirt sogleich bringt.


Wir genießen noch den Sonnenuntergang, einpackt in vier Schichten Kleidung, weil es am Berg schon eisig kalt ist und verziehen uns danach in die warme Gaststube.

TAG 2


Der zweite Tag begann für uns mit einem Frühstück am Gipfel des Reichensteins. Hier noch einmal ein Blick auf den Weg, den wir gestern gekommen sind.


Das obligatorische Gipfelfoto darf natürlich auch nicht fehlen ;)

 

Links im Bild kann man die Hütte, in der wir übernachtet haben, erkennen. Eine wundervolle Aussicht. Der Platz um das Gipfelkreuz beginnt sich allmählich zu füllen.


Danach machen wir uns gegen 10, halb 11 auf den Weg Richtung Wildfeld, der mit 5 Stunden Gehzeit angeschrieben ist. Den mit Stahlseilen versicherten Abstieg der Großen Scharte bringen wir dank dem Klettersteigset, das wir vorsichtshalber anlegen, gut hinter uns.




Ein Blick ins Tal: die Hinterseite des Erzbergs mit seinen Trennmittelteichen ("Schlammteichen"). Danach kommt der recht steile Anstieg zur Hohen Lins, wo wir rasten. Auf dem Weg dorthin haben wir noch eine Begegnung mit einer Kreuzotter, die aber noch nicht genug aufgewärmt ist, um die Flucht zu ergreifen.

 


Der Grashügel oben in der Mitte ist unser Ziel. Allerdings noch etwas weit weg.



Ein Blick zurück zur Hütte zeigt, wie weit wir schon gekommen sind. Der Abstand zwischen dem Grashügel und der schroffen Felswand links im Bild ist übrigens die "Große Scharte".

Der Weg geht dann relativ flach, allerdings sehr weit und über einige Geröllpassagen, weiter zum Zwölferkogel, den man aber nicht besteigt. Wir haben ausgemacht, noch vor halb 4 beim Niedertörl, also der letzten Abstiegsmöglichkeit vor dem Wildfeld, sein zu müssen, um weiterzugehen.



Es ist allerdings bereits zehn vor halb 4 als wir endlich dort ankommen, meine Motivation ist weg und die Füße brennen bereits so, dass wir beschließen abzusteigen, und den Stadelstein beim zweiten Teil des Alpenkammweges mitzumachen.    





Hier sind wir schon wieder relativ weit unten. Der Abstieg vom Niedertörl in Richtung Galleithen ist mit 1,5 Stunden angeschrieben. Wir gönnen uns noch eine längere Rast und gehen dann über die Almwiesen an der Schafferalm vorbei.


Irgendwann kommen wir auf eine Forststraße und nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir den Schranken. Mein Vater ist bereits unterwegs (davon wissen wir allerdings noch nichts) und wir treffen uns zufällig gleich beim Schranken.

Es war eine wundervolle, wenn auch sehr, sehr lange Tour und ich hätte mir an diesem Wochenende nichts schöneres vorstellen könne, als am Berg zu sein. Insgesamt haben wir an den beiden Tagen um die 1.800 Höhenmeter gemacht und sind fast 18 km gegangen. Unser Fazit der Tour ist: den angegebenen Gehzeiten nicht mehr trauen.

Wer Lust hat, sich das Höhenprofil und die Karte anzusehen, beides ist hier zu finden. 

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4 Kommentare

  1. Oh wie schön. Ich kenne das brennen der Füsse sehr gut. Mein Partner ist sehr stark und hat enorm Ausdauer. Ich hinke oft hinter her und bin dann doch sehr stolz, wenn ich es gut überlebt habe. Dafür kann er gut motivieren.
    Wenn man so zurück blickt was in zwei Tage so an Strecke gemacht werden kann...ist es schon ein toller Erlebnis...
    Herzliche Grüsse
    und haste Muskelkater?
    Kuhmagda

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  2. Am Eisenerzer Reichenstein war ich auch schon einmal, als Teenager, und habe gestaunt, wie es möglich ist, dass im Sommer Schnee liegt.

    Danke für die vielen schöne Fotos!

    lg
    Maria

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  3. @kuhmagda: Nein, Muskelkater hatte ich diesmal keinen. Dafür war ich am nächsten Tag ein Zombie: absolut unausgeschlafen und unfit. Da brauchte der Körper wohl mal einen Tag Pause um sich wieder zu erholen. Muskelkater hatte ich dafür von der Pfaffenstein-Tour, und zwar so einen heftigen, dass ich mich drei Tage lang kaum bewegen konnte.

    @Maria: ja, auch im Sommer kann am Berg Schnee liegen, der geht dann halt auch leider fast nicht mehr weg.

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  4. Die Bilder sind atemberaubend! Wow!
    Ich bin ja leider nicht so der Wanderer... Aber die Gegend sieht absolut besuchenswert aus! :)

    Liebe Grüße
    Judith

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